Vive Zene e.V Dortmund - Tuzla/BiH
Therapie- und Sozialstation für Frauen und Kinder
Spendenkonto: 291 001 297 bei der Stadtsparkasse Dortmund, BLZ: 440 501 99  
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  Der in Dortmund gegründete Verein VIVE ZENE e.V (Frauen lebt!) ist seit 1993 in der Stadt Tuzla, Bosnien-Herzegowina, und Umgebung humanitär tätig. Ende 1992 hatten sich einige Frauen in Dortmund zusammen gefunden, um auf die erschütternden Berichte über Vergewaltigung, Ermordung und ethnische Säuberungen im bosnischen Kriegsgebiet zu reagieren. 1993 wurde dann Vive Zene e. V. gegründet. Obwohl es das erste Mal war, daß wir mit humanitärer Arbeit in Berührung kamen, war unsere Arbeit von hoher Motivation geprägt. Jede von uns hatte viel Erfahrung mit politischer Arbeit in unabhängigen Frauengruppen. Auch die verschiedenen Berufe innerhalb unserer Gruppe halfen uns, die Arbeit erfolgreich aufzunehmen. Allein durch "learning by doing" ist es uns gelungen, gemeinsam mit dem von uns gegründeten Partnerverein in Bosnien ein Therapiezentrum für Frauen und Kinder aufzubauen und zu leiten, und auch Fördertöpfe und Geldgeber für unsere Arbeit zu gewinnen.
  VIVE ZENE e.V. arbeitet auf der Grundlage der Menschenrechte für Frauen und Kinder. Wir setzen uns ein für das Leben und die Autonomie der Frauen, fördern die Selbstbestimmung der Frauen über ihren Körper und Geist, über ihre Lebensweise, ihre Ausbildung und Existenzsicherung, ihre religiöse Orientierung, Mutterschaft und das Recht, ihre Kinder selbst zu versorgen. Unser oberstes Ziel ist es, Frauen und Kinder ungeachtet ihrer ethnischen und religiösen Herkunft die Rückkehr ins normale Alltagsleben - trotz verlorengegangener Familienstrukturen - zu ermöglichen.
  Wir richteten in Tuzla ein Therapiezentrum ein, in dem "Psychosoziale Beratung und Therapie für vom Krieg traumatisierte Frauen und Kinder" durchgeführt wird.

Spaß muß sein
Sie mussten erst wieder lernen, zu lachen...

Das Projekt war in den Jahren 1994 und 1995 zunächst auf Krisenintervention ausgerichtet. Die von uns betreuten Frauen und Kinder waren in Konzentrationslagern interniert, sind gefoltert und vergewaltigt worden, haben Folterung, Verbrennung und Tod von Familienangehörigen mit angesehen, waren Scheinhinrichtungen ausgesetzt, sind verschleppt worden, haben ihre Dörfer verbrennen sehen und waren Jahre auf der Flucht.
  M. aus Srebrenica erzählt von der Abschlachtung ihrer Familienmitglieder, den Strapazen der Flucht, daß sie von einem serbischen Soldaten zur Entscheidung gezwungen worden war, welches ihrer beiden Kinder sie retten wolle. Daß sie sich für ihren dreijährigen Sohn, und damit gegen die einen Monat alte Tochter entschied, weil sie angeblich nicht beide mitnehmen könnte. Diese Qual... Sie weiß nicht mehr, wie sie letztlich auf den Transport nach Tuzla kam, beide Kinder bei sich. Sie weiß nicht mehr, was sie dafür hat tun müssen. Sie weiß nur, es war schlimm. Aber sie konnte darüber erzählen, dank der therapeutischen Unterstützung von VIVE ZENE .
  Auch die meisten der Kinder sind schwerst traumatisiert. Sie haben Familienangehörige, ihre Heimat und ihre Kindheit verloren. Sie waren gezwungen, neben der Verarbeitung immer wieder kehrender Schreckensbilder Jahre in ihrer Entwicklung zu überspringen. Eine besondere Belastung stellt für sie das Trama ihrer Mütter dar. Diese sind auf Grund ihrer eigenen Traumatisierung entweder hilflos ihren eigenen Kindern gegenüber, oder auch oftmals aggressiv.
  1996 und 1997 konnten wir erstmals Therapie im eigentlichen Sinne anbieten; Aufarbeitung des Erlebten, Integration in die Persönlichkeit, Rehabilitation. So wurde erreicht, daß viele Frauen sich psychisch stabilisierten und sich auf eine neue Lebensrealität vorbereiten konnten. Dieses beinhaltete insbesondere bei Kriegswitwen eine Stärkung der Autonomie und Eigenständigkeit, sowie der Förderung des Willens zur Selbsthilfe. Den Kindern wurde durch das Projekt die Reintegration in eine Schule ermöglicht, den Müttern die Teilnahme an Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Therapie mit Kindern
unsere Pädagogin hilft den Kindern bei Hausaufgaben

  Durch unsere Arbeit wurden wir auch Zeuge dessen, daß die Umsetzung des sgn. Daytoner Abkommens nur schleppend geschieht. Die Waffen ruhen zwar momentan, aber wirklicher Frieden läßt weiterhin auf sich warten. Konflikte werden weiter geschürt - Haß ist eben nur schwer abzubauen...
  Wir stehen vor der Frage, was mit unseren Frauen und Kindern, die nach dem Willen der Politiker Tuzla verlassen sollen - aber leider nicht wissen, wohin - geschehen soll. Die Frauen und Kinder haben dank unserer Unterstützung wieder Sicherheit gefunden. Sie haben ein Dach über dem Kopf, etwas anzuziehen, etwas zu essen, medizinische und therapeutische Versorgung. Es geht ihnen definitiv besser als anderen Flüchtlingen. Sie haben sich erholen und Luft schöpfen können. Wir können es einfach nicht zulassen, die Frauen und Kinder erneut unsicher zurück zu lassen. Unsere gesamten Anstrengungen, sie wieder in ein "normales Leben" zurück zu führen werden sinnlos

Angst
"Ich kann nicht mehr zurück - ich habe Angst"

Unsere Frauen, die größtenteils aus Srebrenica kommen, erfahren erst jetzt durch die Exhumierungen der Massengräber daß ihre Söhne, Männer und andere Familienangehörige ermordert wurden. Sie sind nicht in der Lage, in die heute serbisch dominierten Gebiete zurückzukehren. Diese Realität in erlebte Traumata zu integrieren, ist eines der Hauptthemen des Jahres 2001.

... Ziele und Aussichten